Dieses Land, das man gemeinhin als flach bezeichnet, ist vor allem ein „niedriges“ Land, das von seiner Bevölkerung beharrlich mit einem hohen Aufwand an Deichen und Dämmen unter dem Meeresspiegel angelegt wurde. Doch trotz des Sieges über die Fluten bleibt das Element Wasser allgegenwärtig, von den Seen Frieslands bis zu den Kanälen Amsterdams. Im Westen des Landes stehen noch die Windmühlen, die der Trockenlegung der sumpfigen Gebiete dienten; sie sind malerische Zeugen des Kampfes der Menschen mit dem Wasser. -Wer sich einen Urlaub ohne Berge nicht vorstellen kann, sei übrigens beruhigt; auch die Niederlande haben welche: hier liegt die dünenreichste Region Europas.
Zeeland - Rotterdam
Gleich hinter der belgischen Grenze verflechten sich Land und Meer. Das „Delta“, die Region im Südwesten der Stadt Rotterdam, erstreckt sich im Gebiet der Mündungen von Schelde, Meuse und Rhein. Die Deiche sind Zeugen des Genies und der Hartnäckigkeit eines Volkes, das entschlossen war sein Gebiet zu vergrößern und dem Meer Land abzutrotzen. Mehr als jedes andere Bauwerk führt die Schleuse der Schelde im Osten das gigantische Ausmaß dieser Anlage vor Augen. Auf der Insel Neeltje Jans, zeigt der Attraktionspark Waterland Neeltje Lands die einzelnen Etappen des Kampfes zwischen Mensch und Meer, der schon im 13. Jahrhundert begann.
Vom 14. Jahrhundert an haben die Windmühlen eine bedeutende Rolle bei der Anlegung der niederländischen Polder und der Trockenlegung der dem Meer abgerungenen Sumpfgebiete gespielt. Mehr als eintausend stehen noch über das Gebiet verteilt. Das ist sicher mehr als ausreichend, um einem Don Quichotte den Kopf zu verdrehen, doch andererseits ist die Zahl so geschrumpft, dass Vereine, die sich um den Erhalt dieser nationalen Denkmäler bemühen, beunruhigt sind: zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es immerhin noch 9000 solcher Mühlen. Bei Rotterdam liegt einer der schönsten Orte zur Besichtigung der geflügelten Gebäude: in Kinderdijk überragen 19 Windmühlen die wasserreiche Ebene.
Den Haag - Utrecht - Amsterdam
Das hochinteressante urbane Dreieck Den Haag, Utrecht und Amsterdam birgt architektonische Schätze und unsterbliche Meisterwerke von Vermeer, Rembrandt und Van Gogh. Ein anderes Kunstwerk hingegen ist sehr kurzlebig: die Blumenpracht. Zwischen Amsterdam und Den Haag erblühen alljährlich Tulpen, Narzissen, Hyazinthen und andere Blumen, auf deren Zucht sich die Niederlande spezialisiert haben.
Ende April verwandelt sich diese blütenbedeckte Region in ein riesiges vielfarbiges Schachbrett. Touristen kommen von weit her, um dieses faszinierende lebendige Schauspiel zu bewundern, und dennoch sind es nicht die Blüten, sondern die Blumenzwiebeln, die das Herzstück des wirtschaftlichen Handels ausmachen; diese werden in die ganze Welt exportiert. Übrigens werden die Blüten kurz nach dem Aufgehen der Knospen von den Stengeln getrennt, um die Zwiebel zu stärken. Das Schauspiel ist daher nur wenige Tage im Jahr zu sehen, was es umso kostbarer macht.
An der Nordküste gewinnt das Meer wieder die Oberhand und lässt die Watteninseln wie eine Perlenkette heraus scheinen. Die Inselkette, die durch das Wattenmeer von der niederländischen Küste getrennt ist, trägt hohe Dünen, breite Strände mit sehr weißem Sand und Nadelwälder. Der Sommer verzeichnet hier hohe Besucherzahlen; am reizvollsten sind die Inseln im Frühling und Herbst. Mehr noch als im übrigen Land verläuft ein dichtes Netz von Radwegen über die Inseln, über 100 Kilometer zum Beispiel allein auf der Insel Ameland.
Wieder zurück auf dem Festland fahren wir über den eindrucksvollen Damm im Norden zu den friesischen Seen. In der grünen Landschaft setzen die zahlreichen, mehr oder weniger großen Seen, die durch Kanäle untereinander verbunden sind, blaue Akzente. Mit den ersten Sonnenstrahlen im Frühjahr verwandeln sich diese Seen in ein riesiges Erholungs- und Wassersportgebiet mit Segelbooten und Surfbrettern. Wenn die Winter hart sind und die Wasseroberfläche genügend zugefroren ist, verwandelt sich die Gegend in ein riesiges Eisstadion im Freien, und der Wettkampf Elfenstedentocht begeistert das ganze Land. Es bleibt zu hoffen, dass die Klimaerwärmung dieser Tradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht, nicht ein Ende setzen wird.
Auf dem Weg Richtung Süden, an der deutschen Grenze entlang, verändert sich die Landschaft allmählich. Noch sieht man zahlreiche Bäche und Kanäle, doch das Wasser ist nicht mehr allgegenwärtig, und das vorher flache Land wird allmählich hügelig. Wälder und Landstriche mit stilvollen alten Bauernhöfen wechseln sich ab. In der hübschen Region Drenthe finden sich Megalithgräber, die Hunebedden. Auf dem Weg von Emmen nach Noordlaren besichtigen wir mehrere dieser prähistorischen Grabstätten, deren Größe von 7 bis 25 Metern reicht.
Drenthe - Twente - Arnhem
Danach fahren wir durch Twente. Mit ihrem grünen Weideland, den Wäldern und den mäandernden Wasserläufen entfaltet diese Gegend zuweilen fast bukolischen Charme. Wirtschaftlich hat hier vor allem die Textilindustrie Bedeutung. Twente ist auf den ersten Blick sicher weniger markant als die westlichen Nachbarregionen, wer sich aber Zeit nimmt, kann auf den zahlreichen Routen vieles entdecken.
Die Stadt Arnhem stand 1944 im Zentrum einer der furchtbarsten Schlachten für die Befreiung des Landes. Die Brücke, welche die alliierten Soldaten nicht halten konnten, bis der Nachschub eintraf, wurde durch den Ausspruch von General Browning berühmt, der sie als „eine Brücke zu weit“ bezeichnete. Interessant in Arnhem ist heute das niederländische Freilichtmuseum, das die Architektur und das Leben früherer Zeiten rekonstruiert. Über 80 Original-Bauernhöfe, Mühlen, Schulen usw sind zu besichtigen. Eine einmalige Darstellung der Geschichte des Lebens auf dem Lande.
Niederlande - Praktische Hinweise:
- Fläche: 41528 km2
- Bevölkerung: 16,3 Millionen Einwohner
- Hauptstadt: Amsterdam, 727 000 Einwohner
- Sprache: Niederländisch
- Uhrzeit: WEZ +1
- Klima: gemäßigtes Meeresklima. Auf Grund des geringen Reliefs kann das Wetter bei Wind sehr schnell wechseln.
- Religion: 60% Christen (Katholiken und Protestanten)
- Währung: Euro
- Erste Hilfe = 112
Grenzformalitäten: Mitglieder der Europäischen Union und Schweizer Staatsbürger benötigen einen gültigen Personalausweis. Haustiere müssen tätowiert sein oder einen Chip tragen und einen europäischen Ausweis haben. Straßenverkehr:
Tempolimits: innerorts 50 km/h, außerorts 80 km/h, Autobahnen: 120 km/h (Auto oder Reisemobil) / 80km/h (Anhänger oder Wohnwagen). Autobahnen sind mautfrei.
Es gilt die 0,5 Promillegrenze; für Fahrer, die den Führerschein seit weniger als 5 Jahren besitzen, gelten 0,2 Promille.
Die niederländische Polizei ist oft sehr streng, was Parkvorschriften anbetrifft. Bußgelder können recht hoch ausfallen, vor allem in Amsterdam und Umgebung.
Internet: www.holland.com ist das Portal des niederländischen Verkehrsamtes. Es bietet Touristik- Informationen über Städte und Sehenswürdigkeiten.
